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Vorkommnisse oder was auch immer

19. März 2011

Frust, Wut?, Verletzlichkeit, ich weiß im Moment nicht, wie ich mich fühlen soll. Vor 3 Wochen bin ich regelrecht aus Deutschland (besser gesagt aus dem unsäglichen Saarland) quasi geflüchtet. Mit 63. Viele haben mir abgeraten, ich mir selbst nicht. Warum auch. Wovor sollte ich auch Angst haben? Dass ich in Österreich scheitere? In Deutschland ging es mir auch nicht besser, nur sind hier in Graz die Lebensmittel einfach besser, wenn auch etwas teurer, wegen der etwas höheren Märchensteuer. Gutes Essen ist doch auch ein Argument, wo anders hinzugehen, oder nicht?

Gerade noch einen guten Spruch gehört: „Wir sollten uns alle die Gelassenheit eines Stuhles zulegen, denn der muss auch jeden Arsch aushalten“. Der Spruch hat was, nur lässt er sich gerade nicht auf mich anwenden, denn meine Stimmung ist absolut im Keller.

Es fing vor einer Woche so an:

Krach im Haus

Vierzehn Tage hier in Graz und heute ist es passiert. Bin nach technischen Schwierigkeiten mit dem Computer von W. heute morgen ausgeflippt, als man mich angesprochen hat. Hab den ganzen Tag gefroren wie ein Schneider, weil die Terrassentür ständig offen stand. Den Rest des Tages war danach ‘Schweigen im Walde’, nur unverbindliches wurde gesprochen. Ich habe die Zeit genutzt, an W. einen Brief zu schreiben, in dem ich meine eigenen Vorstellungen darstellte und Alternativen aufzeigte. So kurz vor 17 Uhr habe ich dann das Haus verlassen, denn W. und seine Freundin erwarteten Besuch, den ich mir in meiner Gemütsverfassung wirklich nicht antun wollte und musste. Ich wäre dabei wirklich nur noch zum ‘Spielverderber’ und ‘Störenfried’ geworden, also habe ich mich abgeseilt. Dass ich mich nicht verabschiedet habe, hat zum einen den Grund, dass W. es nicht für nötig befand, den Brief sofort zu lesen. Diese Ignoranz tut einfach weh, andererseits hatte ich den Stunk in der Früh bedauerlicher Weise selbst angefangen. Aber zu meiner Schande muss gestehen, dass ich auch nicht auf eine offene Konfrontation aus zu sein, denn soweit kenne ich mich auch, dass ich dann auch nicht besonders fair gewesen und außerdem auch noch emotional ungerecht geworden wäre.

14 Tage, 3 Leuten in einer relativ kleinen Wohnung, mit der Freundin von W., die auch noch in der Partnerschaft mit W. die Hosen anhat und auch mein Leben bestimmen wollte, sind mir einfach auf Dauer zu eng. Ich hab die Schlüssel vom Lager und überlege jetzt, ob ich dort die Nacht verbringe, denn ich muss einfach auch über die Situation nachdenken können, was aus diesem heutigen Tag entstehen kann. W. ist eigentlich völlig von der Rolle, bedingt durch seine eigenen Probleme, aber was noch schlimmer ist, er steht völlig unter der Fuchtel seiner Freundin. Wirklich konzentriertes Denken ist bei W. zur Zeit nicht drin, was natürlich auch seine Logik beeinflusst. Seinen Aussagen, wie froh er ist, mich aus dem Saarland geholt zu haben und weil er mich brauch, wurden die meiste Zeit unter Alkohol getätigt und sind dadurch mit Vorsicht zu genießen. Und dabei dachte ich von mir, kaputter als ich können nur wenige Leute sein. Aber W. schlägt selbst die noch um Längen. Natürlich sind mir seine Probleme inzwischen bekannt und ich kann seinen psychischen Zustand sehr gut nachempfinden, aber ich sehe da noch andere Zustände, die mir so gar nicht gefallen. Ich brauche aber auch selbst noch Unterstützung von ihm, wenn ich hier richtig Fuß fassen will. In seinem jetzigen Zustand wird das aber äußerst schwer, wenn nicht gar unmöglich.

Mein ‘Umzug’ nach Graz ist nicht mehr rückgängig zu machen, was ich aber auch nicht bedauere. So habe ich mich nun mal entschieden und wer mich kennt, was ich nur von ganz wenigen Menschen behaupten kann, weiß, dass meinen Entscheidungen in dem meisten Fällen unumkehrbar sind.

Meine Antwort (wenigstens schriftlich) an meinen Freund:

Ich denke, seit heute ist ein Punkt erreicht, den ich so einfach nicht mehr stehen lassen kann.

Eine Frau, die nicht meine eigene ist, sagt mir, was ich zu tun und zu lassen habe, ausgerechnet in einer Wohnung, die nicht ihre eigene ist. Dass Gabi in Deinem Leben eine wichtige Rolle spielt, war mir von Anfang an bewusst, aber ich für meine Seite bestimme nun mal über mein eigenes Leben selbst und Gabi tut sich da dann doch etwas schwer, dies erstens zu erkennen und dann auch noch zu akzeptieren.

Ich bin Dir dankbar, dass du mich aus dem Saarland geholt hast. Meine Intention war aber auch, diese Dankbarkeit durch Hilfestellung dir gegenüber zu zeigen, indem ich dass einbringe, was ich zu leisten imstande bin, außerdem habe ich mich schon soweit wie möglich zurück genommen und so klein gemacht, wie überhaupt möglich, nur ganz in Luft auflösen war mir dann doch nicht möglich.

Als ich hier ankam, war ich nicht darauf vorbereitet, dass Gabi ab sofort auch mein Leben bestimmen wird. Dass sie deine Freundin ist, war mir sehr wohl schon bewusst, aber nicht, in welchem Ausmaß. Es mag ihr ja möglicherweise sogar schmeicheln, mit zwei Männern unter einem Dach zu leben und ‚ihr Leben in der Hand zu haben’, aber ich habe da doch etwas andere Vorstellungen. Ich habe nämlich keine Frau, die über mich bestimmen kann und wird.

Unter Rücksicht und Kompromissen verstehe ich etwas anderes. Natürlich will ich hier in Graz bleiben und dir, wo immer es geht, auch helfen, aber nicht unter dieser absoluten Prämisse, dass sich mein restliches Leben um den Planeten Gabi dreht und ich nur noch Männchen mache.

Wir kennen uns jetzt schon so lange, dass du dir auch vorstellen kannst, dass mein eigenes Leben doch etwas anders gestrickt ist. Ich will aus dem Wenigen, was mir an Leben noch bleibt, ein gewisses Optimum rausholen und wenn es sich ermöglichen lässt, auch mit dir zusammen, denn ich weiß, was du so beruflich und geschäftlich auf dem Kasten hast. Dass ich dir gerade im Bezug auf den Erhalt deiner Wohnung hilfreich sein kann, ist mir auch erst klar geworden, als Du mich schon aus dem Saarland geholt hattest und nachdem das für mich erstmal klar war, habe ich nur noch daran gedacht, dass dies nur natürlich, Dir in dieser Situation zu helfen, denn ich weiß selbst, wie es ist, eine Wohnung zu verlieren.

Dass du einige Probleme (genau wie ich selbst) hast, dass sind nun mal einfach Tatsachen, mit denen ich, aber auch Du selbst umgehen kannst. Dass du mit deinen Problemen nicht gerade in der besten Verfassung bist, kann ich mehr als nachvollziehen, aber damit kann ich umgehen, auch weil an den Tatsachen eigentlich nicht zu rütteln ist und darum habe ich mich auch ohne Einschränkungen bereit erklärt, Dir Hilfestellung zu geben, wo es nur geht.

Ich habe mir überlegt, ab sofort ins Lager zu ziehen mit meinem Krempel, denn so wie das Zusammenleben zu Dritt jetzt abläuft, wird es früher oder später zu einem wirklichen Knall kommen und dass ist dann doch nicht meine Intention, denn bisher gefällt es mir gut in Graz. Außerdem möchte ich nicht weiter der Grund sein, wenn es dabei zwischen Dir und Gabi kracht.

Aber, um es noch mal zu sagen, ich bin nicht verheiratet und bestimme grundsätzlich über mein Leben selbst. Für dass, was Gabi bisher für mich getan hat, bin ich auch durchaus dankbar, dass heißt aber nicht für mich, dass ich jetzt für den Rest meines Lebens verbiege. Du selbst hast wohl eine eigene Wohnung, bist aber nicht mehr Herr im Haus.

Dass ich Dich heute in der früh so dämlich angemacht habe, bedauere ich sehr, aber immerhin habe ich als Entschuldigung, dass ich versucht habe, DEINEN PC auf die Reihe zu bringen und rein technisch einfach nichts geklappt hat. Frust macht sauer und du hast es bedauerlicherweise ab bekommen.

Ich denke, Du solltest über das, was ich jetzt hier geschrieben habe, einfach erstmal nachdenken, und solltest Du dann zum Ergebnis kommen, dass wir uns trennen sollten, werde ich dass akzeptieren, nur müssen wir dann gemeinsam nach einem Weg suchen, damit ich nicht vollends in der Scheiße lande.

Nochmals, ich bedauere, dass es so weit kommen musste, aber ich persönlich gehöre nun mal auch zu diesen Arschlöchern, die nicht besonders gerne unter Kuratel stehen. Mein Leben bestimme ich zum großen Teil selbst und wenn ich Hilfe brauche, dann melde ich mich schon. Andersherum bin ich auch immer zur Hilfe bereit.

Bin gerade über eine Rezension in der ZEIT über einen jungen Grazer Schriftsteller gestolpert, der in den höchsten Tönen gelobt wird, nur ich kann mich nicht des Gefühls erwehren, auf einen Autisten gestoßen zu sein. Es geht um seinen neuesten Roman. Was ich bisher in der Vorstellung des Schreibers und auch seines neues Werkes gelesen habe, sollte mich eigentlich vorsichtig stimmen, was Graz angeht, darum werde ich irgendwann schauen, an dieses Buch zu kommen, aber der Preis muss einfach stimmen, denn mein Budget ist inzwischen wieder so beschränkt, wie in Deutschland.

Der Anfang eines Tagebuches aus Graz:

04.03.2011

Eine Woche außerhalb von Deutschland und ich fühle mich wohl. Zum erst mal allein in der Stadt. Es ist noch kalt, trotz Sonne. War heute zum ersten mal beim Arzt. Der Typ gefällt mir, kein Angeber. Hat ziemlich schnell erfasst, um was es geht.

Da ich inzwischen in einer angenehmen Gegend wohne, wo ich auch Ruhe habe, nehme ich mir langsam aber sicher die Stadt vor. Da ich jetzt einen Nettop habe, bin ich auch beim Schreiben unabhängig. Natürlich bin ich noch in der Findungsphase, aber acht Jahre Saarland und Neunkirchen lassen sich nun mal nicht wie alte Socken abstreifen. Seit einer Woche bin ich tagsüber nicht zum schlafen gekommen, stehe ständig unter Strom und kann dafür Nachts durchschlafen.

Was hier in der Stadt bzw. dem Land so abgeht, werde ich mir erst noch erarbeiten müssen. Zuschauen und zuhören ist erst mal angesagt. Natürlich bin ich mir auch des Risikos bewusst, dass ich schon wieder mal eingehe, aber bisher kann ich sagen, es hat sich gelohnt, Deutschland zu verlassen.

18.03.2011

Heute das erste Mal beim Sozialamt. Ich muss mich überraschen lassen, ob mir überhaupt Geld (Mindestsicherung) zusteht. Sollte es gut gehen, habe ich wenigsten die gleichen Möglichkeiten wie in Deutschland. Geht es schief, muss ich schauen, an kleine Jobs ran zu kommen. Dafür muss ich mich aber noch viel besser auskennen.

Was ich hier so an ‚Bevölkerung’ erlebe, ist wie in Deutschland zweigeteilt. Der Dialekt ist bei vielen erst mal gewöhnungsbedürftig, aber viele strengen sich beim Sprechen an, verständlich zu bleiben, wenn sie merken, dass ich aus D komme.

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