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Zuhause?

24. Januar 2011

Allein. Seit drei Tagen nicht das Haus verlassen. Denken. Cira fehlt mir. Die Wohnung sieht aus wie ein Schlachtfeld. Essen. Zittern. Was auf der Gabel oder auf dem Löffel ist, kommt nicht zu meinem Mund. Ich bin immer wieder wütend deswegen. Nach der Einnahme meiner Medikamente werde ich oft schnell müde. Ich schlafe. Träume. Oft sind sie sehr gewalttätig. Dann wieder wie Filme mit mir als Hauptdarsteller. Immer wieder kommt auch mein Vater darin vor. Aber er ist nicht mein Vater, nur der Kerl, den ich 20 Jahre als meinen Vater angesehen habe. Schreiben und Denken. Lesen. Ich sehe die Wohnung und weiß doch, dass sie nie mehr aufgeräumt wird. Meine Zähne sind inzwischen auch im Arsch, ich müsste dringend zum Zahnarzt. Kann es mir nicht leisten. Kann mir gar nichts leisten. Schon zu Beginn eines Monats muss ich jeden Tag berechnen. Hab ich noch genug Getränkeflaschen? Kein Brot mehr im Haus. Ich will nicht aus dem Haus, aber ich muss, einkaufen. Die Haut an meinen Händen juckt. Wenn ich schlafe, kratze ich sie immer wieder auf. Ich weigere mich, krank zu sein. Schreiben. Chaos im Kopf. Der Fernseher läuft. Ich drehe den Ton runter, kann mich sonst nicht konzentrieren. Ich muss aus dieser verdammten Stadt weg. Mein Umfeld ist eine Katastrophe. Mir fehlen echte Unterhaltungen. Höre nur Blabla in einem Idiom, dass ich hasse. Ich denke bayerisch, obwohl ich selbst a Saupreiß bin. Ich setz mich zum Filmschauen auf die Couch. Ich sitze immer noch so, als würde Cira am anderen Ende liegen. Sie konnte sich wunderbar breit und lang machen, mich in die kleinste Ecke drängen. Manchmal wurde ein richtiger Kampf daraus. Natürlich hab ich gewonnen. Allein mit der Stimme. Hab mich oft deswegen bei ihr entschuldigt. Wenn ich zu hart zu ihr war, bin ich mit meinem Gesicht ganz nahe an ihre Schnauze. Sie hätte jederzeit zubeißen können. Ich hätte niemals eine Chance gehabt, ich wusste, wie schnell sie sich bewegen konnte. Sie hat es niemals auch nur versucht. Immer wieder fallen mir Menschen ein, die mir mal was bedeutet haben. Meine zwei Ex-Frauen. Meine Pflegetochter Nina. Was sie wohl jetzt macht? Hat sie das Studium geschafft? Ist sie überhaupt noch in Deutschland? Sie war stark und hart, hatte Ehrgeiz. Hatte auch dämliche Vorstellungen vom Leben. In der Zeit mit ihr habe ich fast alles für sie gemacht, nichts war zu teuer für sie. Dummes verwöhnen. Ich hab sie geliebt und dann auch manchmal gehasst, wenn sie wieder Scheiße im Hirn hatte. Jetzt, während des Schreibens drehe ich mich immer wieder um zur Couch, aber Cira ist nicht mehr da. Rauchen. Ich laufe im Zimmer rum. Mir geht das Chaos auf die Nerven, aber ich kann es nicht ändern. Ich bin zu schwach. Ich konzentriere mich ganz aufs schreiben. Worte sind einfacher als aufräumen. Wenn mir keine einfallen, werde ich wütend. Ich will noch lange leben. Sterben sollen von mir aus andere. Die meisten anderen Menschen sind mir inzwischen egal, sogar scheißegal. Warum schreibe ich gegen Hartz IV? Dieser Zustand ist ungerecht und Ungerechtigkeit kann ich auf den Tod nicht ausstehen. Niemand hat mich gefragt, ob ich auf die Welt kommen will. Jetzt muss jeder mich so ertragen, wie ich nun einmal bin. Gemacht wurde. Ich weiß, dass ich auf viele wie ein Arschloch wirke. Mit Absicht. Wer mich nicht liebt, soll mich hassen. Ich selbst hasse Dummheit, Beschränktheit. Viele sind so. Ich schlafe, wenn ich müde bin. Oft nur 2 oder 3 Stunden. Danach kann ich bis zu 6 oder 7 Stunden am Computer sitzen, meist lesend. Viele Dinge draußen vor Tür interessieren mich, nur meist nicht banale Menschen. Wenn ich Beiträge ins Netz stelle, hoffe ich immer, dass möglichst viele sie auch lesen. Ich weiß aber auch, dass dies eine Illusion ist. Ich hasse Regeln, die einschränken. Ich habe Hunger nach Leben. Ich will mal wieder unter Menschen, doch in dieser Stadt ist das nicht möglich. Kleine Geister sind Genies gegen diese Leute hier. Es gibt Ausnahmen, aber bei denen schäme ich mich, dass ich mich so gehen lasse. Irgend so ein Arsch im Fernsehen fragt gerade nach Extasy. Bekloppte Süchtige, sollen alle von mir aus verrecken. Machen einen auf erbarmungswürdig krank. Hätten nur NEIN sagen müssen. Keiner hat sie mit vorgehaltener Pistole gezwungen, süchtig zu werden. Die Denke, ich hab alles im Griff. Als Cira starb, hab ich mir auf der Rückkehr nach Hause Schnaps gewünscht und bekam ihn auch. Der Flachmann liegt immer noch geschlossen auf dem Tisch. Ich will mich mit klarem Kopf immer an Cira erinnern. Ich lese diesen Text hier immer wieder neu. Banal. Beschissen. Wahr. Unvollständig. Was suche ich eigentlich noch? Auswege. Neue Wege. Wenn es sein muss, auch Ungewöhnliche. Gerade kommt mir meine Tante, die Schwester meiner Mutter, in den Kopf. Sie war älter als meine Mutter, hat nie geheiratet, ist vor drei Jahren gestorben, völlig allein. Hat alles, was zu vererben war, der ‚Herrmann Gmeiner-Stiftung‘ und der Kirche vermacht. So, als hätte sie keine direkte Verwandtschaft. Wir Kinder waren für sie nicht vorhanden. Aber immer in die Kirche gerannt. Wie krank im Kopf muss man sein, um so zu handeln? Ungerecht. Aber was ist mit meinem Kopf? Ich bin nicht depressiv, ich bin wütend. Ich muss als Marionette des Staates leben. Ich brauche Hilfe, um hier weg zu kommen. Hilfe ist fast niemals umsonst. Ich hab nur bestimmte Fähigkeiten, um zu ‚zahlen‘. Als Nutte bin ich ungeeignet.

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7 Kommentare leave one →
  1. 24. Januar 2011 21:17

    Oh mein Gott, dir muss es ganz schön besch…gehen, sorry, aber du bist jetzt genau da, wo ich niemanden hin wünsche. Abgebrannt, verlassen, traurig allein und voller Trauer. Klar bist du wütend, wütend dass alles so beschissen gelaufen ist, beschissen, dass die Tante so scheinheilig alles der Kirche und wem sonst noch vermacht hat(das sind die schlimmsten) beschissen, weil dein letztes bisschen Halt jetzt auch weg ist und dann sie Sorge ums Überleben. Hartz 4, ja das ist auch so eine Sache, so bescheuert, ungerecht, gnadenlos, eine Erfindung, die den Menschen in die unterste Schublade ablegt. Alles ist so sch…Ich habe auch eine schwere Zeit hinter mir, es war manchmal so schlimm, dass ich dachte, wozu bin ich überhaupt noch Nütze, für den Arbeitsmarkt zu alt, um mein Leben zu genießen zu verschuldet, aber ich war nicht allein, ich hatte in der Zeit meinen Mann, meine Kinder, Freunde. Du hast niemanden, es ist schlimm, ich kann mich in dich hinein versetzen, deine Verzweiflung, dein Null Bock, nachvollziehbar.
    Denke nicht, dass kaum jemand deinen Blog hier liest, lesen tut immer wer, manchmal wenige, manchmal nur einer aber manchmal auch sehr viele. Das schlimme ist, dass es den meisten nicht interessiert, wie es dir geht, wie dein Leben verlaufen ist, was du in der Jugend gemacht hast und vor allem warum.
    Wenn ich könnte, würde ich dir helfen, aber ich kann es nicht, ich kann nicht mal sagen, komm rüber auf einen Kaffe, oder auf ein Bier, denn ich wohne in NRW.

    och Mensch, versuch dich, nicht so gehen zu lassen, ganz leicht verfällt man so allein und so vom Leben enttäuscht der Depression, in deiner Situation würde ich sogar noch weiter gehen, du sammelst, kannst dich von nichts trennen, du machst nichts mehr, weil du keinen Sinn mehr in allem siehst, du wirst zum Messi.
    Kannst du dir keine Hilfe vom Amt erhoffen, wenn du deine Lage schilderst oder beim Arzt, du bist depressiv und das ist überhaupt nicht gut. Kannst du nicht zur Schuldnerberatung oder zur Verbraucherzentrale und deine finanzielle Lage schildern, Armut ist kein Verbrechen, sie macht es erst dazu. Aber so weit soll ja nicht erst kommen.
    Oh Mann, ich weiß, dass das was ich hier schreibe nicht die Unterstützung ist, die du dir erhoffst.
    Ich wollte dir nur zeigen, dass es Menschen gibt, die deinen Blog lesen, die dich verstehen und versuchen dir etwas Mut zu machen.
    Ich weiß nicht was ich dir jetzt noch schreiben könnte, aber ich habe es versucht, versucht dir ein Gefühl des Verstandenwerdens zu geben.

    Was ist mit der Seelsorge, da gibt es doch im Netz Telefonnummern, für Menschen, die sich niemanden sonst anvertrauen können oder wollen, weil sie sich schämen, versuchs da doch mal.

    So, nun höre ich erst mal auf. Lass diesen Kommentar erst mal sacken und komm zur Ruhe.
    Wir lesen uns.

    LG Martina

  2. Inge Jurk permalink
    25. Januar 2011 01:10

    Ja, so ähnlich lebe ich auch, wie Du jetzt – wenn auch aus anderen Gründen. Ich habe aber noch einige Lebewesen um mich herum. Trotzdem weiss ich ungefähr wie es Dir ergeht, weil ich diese Zustände auch schon hatte.
    Mein Mann ist jetzt schon näher dran am Verzweifeln manchmal, als mir lieb ist. Also, muss ich mich jeden Tag neu erfinden, neu entdecken, damit ich nicht absacke.
    Allerdings, das mit den Verlusten von geliebten Lebewesen, das kenne ich sehr genau.

    Ich lese Dich auch, und das Neumachen des Computers verzögert sich immer wieder, weil es mir wichtig ist. Es gehört nun dazu, zu dem Leben, das mir noch vergönnt ist.

    Nein, ich bin nicht verzweifelt im Moment, aber ich weiss, wie nahe daran wir entlang balancieren. Was ist mit einem neuen Lebewesen? Ich weiss, dass es schwer ist, aber es würde Dir wieder etwas schenken.

    Ich sage das nicht so dahin, sondern habe das ja selber durchgemacht, als mein erster Kater gestorben war. Eine Weile haben wir gebraucht, ja, und der erste Versuch ging schief, scheiterte an meinem Mann, er war noch nicht bereit dazu, ein neues Lebewesen zu akzeptieren, das anders war als unser Kater. Also, noch warten – und dann hat es wieder geklappt.

    Wir wissen, wie trostlos unser Leben wäre, wenn wir keine Tiere hätten. Denk mal darüber nach. Setz Dich damit auseinander, auch wenn es schmerzlich erscheint. Es tut so oder so verdammt weh, ich weiss es.

    Was das Umfeld angeht, das ist zur Zeit an vielen Orten bescheiden. Es ist schon so, wie Du schreibst…
    Und mir geht es mehr und mehr auch so, dass ich nichts mehr zu tun haben will damit, und eben diese Menschen meide. Ich bin einsamer geworden dadurch, aber es stört mich nicht sonderlich.

    Also, überlege mal, ob Du nicht wieder einem Tier wieder ein zu Hause geben willst, und damit beide wieder einen Gewinn davon haben. Das wäre es, was mir bei einem Menschen wie Dir dazu einfällt.

    Zum Schämen sehe ich keinen Grund, schliesslich hast Du es nicht einfach, und hast es Dir nicht ausgesucht. Wenn Du Dich schämen musst, dann ist der Grund eben doch in den anderen zu sehen, weil sie nicht verstehen wollen.
    Ansonsten, wenn Du jemand weisst, der Dir etwas wert ist, dann raffe Dich vielleicht mal auf – auch wenn es verdammt schwer ist. Ab und zu mache ich das auch – für ganz wenige Menschen.

    Also, hallo Du, ich lese Dich… und ich rede mit Dir, so wie es eben geht, über diese Verbindung.
    Bis demnächst mal…

  3. der junkie permalink
    31. Januar 2011 20:16

    also ich BIN son drogensüchtiges arschloch, und ich finde deinen blog total super!

  4. 5. Februar 2011 16:51

    hallo,
    hab erst jetzt dein blog gelesen, beeindruckend. mir gehts auch beschissen, aber damit will ich dich nicht langweilen.
    halte durch. bis bald. sutaio

    • 5. Februar 2011 16:56

      Danke. Ich werde durchhalten. Dir kann ich nur raten, schreibs auf, wie ich. Welche Form du wählst, ist dabei völlig egal. Mir hilft es zum Teil.

      • chris2412 permalink
        10. März 2011 16:25

        Habe gerade deine Einträge gelesen und muss erstmal schlucken!

        Es ist ja schon vieles gesagt worden von einer ganz lieben besorgten Bloggerin.

        Alfredo…hole dir Hilfe bevor Du zerbrichst,denn Du willst doch nicht sterben!

        Gehe doch mal zur Diakonie oder Caritas(obwohl die eigentlich für mich eher ein rotes Tuch sind(H4),aber Hilfe solltest Du dir schon holen.

        Der Verlust deines langjährigen Weggefährten ist sicherlich sehr schmerzlich,doch versuche es doch mit einem neuen Freund/in!
        In deinem Herzen wird ES ja bleiben!

        Ich wünsche dir Kraft,inneren Frieden und gaaanz viel Entusiasmus für einen weiteren Lebensabschnitt in der Hoffnung,dass es schöner und besser wird, als das vorherige.

        Alles Liebe und Gute
        wünscht dir
        Esther

      • 10. März 2011 16:31

        Meine entschiedene Antwort habe ich inzwischen auf meine ganz eigene Art gegeben, liebe Esther, und du kannst sie hier nachlesen.

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