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Von dem man nicht spricht – Fortsetzung 4

2. Dezember 2010

Mit Erinnerungen ist das so eine Sache, besonders wenn man sie aufschreiben will und ordnen muss. Immer wieder kommt es vor, dass uns das Gehirn versucht, einen Streich zu spielen. Wie gerne würde ich einfach alles kontinuierlich runter schreiben, aber davor haben mir die Götter die Grenzen meiner Fähigkeiten gesetzt. Allein mein ‘Adlersuchsystem’ beim Tippen ist so eine Grenze.

Als ich im Mai 1958 wieder in Mainz ankam, hatte sich rein familiär einiges verändert. Zuerst einmal musste ich mich mit der Tatsache abfinden, dass ich das schwarze Schaf der Familie war. Mein ‘Vater’ hatte sich 1956 freiwillig zur Bundeswehr gemeldet und war nun Berufssoldat. Da ich durch meinen Großvater schon wusste, was mit Soldaten alles passieren kann, war diese Aussicht nicht gerade sehr beglückend für mich. Ich war und bin noch nie ein guter Befehlsempfänger gewesen, der Befehlston widerstrebt mir einfach.

Kurz nach meiner Ankunft zuhause musste mein ‘Vater’ für einige Monate zu einem Lehrgang nach Sonthofen im Allgäu. Zuerst war ich natürlich erleichtert, aber auch nur für kurze Zeit. Meine Mutter war mit uns vier Kindern sehr schnell überlastet und ließ das dann an uns aus mit rumschreien und auch prügeln. Da ich der Älteste war, wurden mir immer mehr Haushaltsaufgaben übertragen, so dass ich immer weniger Zeit zum spielen hatte. Mein Widerstand war also vorprogrammiert.

Ich wechselte von der Volksschule auf die Mittelschule. Zuerst lief alles ganz normal, nur kam als Fremdsprache englisch dazu. Meine Mutter sprach perfekt englisch und ich hatte die Vorstellung, dass sie mir wenigsten ab und an helfen könnte. Doch da hatte ich mich schwer getäuscht, sie weigerte ich regelrecht, zu helfen. Sehr schnell war mir das Lernen verleidet, ich hatte einfach keine Lust mehr. Ich verzog mich wieder in mich selbst zurück, ich schwänzte immer wieder die Schule, ich legte mich sogar mit den Lehrern an, bis ich nach einem halben Jahr von der Mittelschule flog.

Meine Anarchie wurde durch meine Familie geradezu zementiert. Zuneigung und Zuwendung fand ich allein in Büchern und dann natürlich in meinen Träumen. Jedes Weglaufen, nicht nach Hause kommen, jeder Diebstahl, jede Lüge forderten Aufmerksamkeit. Die bekam ich dann in Form von Prügel mit einer neunschwänzigen Katze und durch die unglaublichen Schmerzen ein Gefühl von Existenz, denn ich wollte ja leben. Ich war einfach neugierig darauf, wie es ist, auch ohne diese Sanktionen zu leben.

*** wird fortgesetzt ***

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5 Kommentare leave one →
  1. 5. Dezember 2010 09:23

    Esta es mi primera visita i tiempo aquí. He encontrado cosas interesantes para muchos en su blog sobre todo el debate. De las toneladas de comentarios sobre sus artículos, creo que no soy el único que tiene toda la diversión aquí! mantener el buen trabajo.

  2. 6. Dezember 2010 05:53

    Thank you for this webpage. Thats all I might say. You most definitely have built this blog page into something speciel. You clearly know what you are accomplishing, youve covered so many bases.thanks

  3. 10. Dezember 2010 16:22

    Sie ergänzt einige gute Punkte gibt. Ich habe eine Suche zum Thema und fand die Mehrzahl der Menschen die gleiche Meinung mit Ihrem Blog.

  4. 13. Dezember 2010 10:24

    Ich genieße genau, wie Sie Ihr Niveau in ganz erhalten

  5. 7. Juli 2012 15:13

    Einfach ein Wahnsinn. Es müsste so eine Art „Eignungsprüfung“ für Paare mit Kinderabsicht geben. Ernsthaft. Nicht jeder sollte sich einfach so fortpflanzen dürfen… Oder wenn schon und wenn absehbar ist, dass die „Parameter“ solche Erscheinungen hervorbringen werden… dann finde ich Adoption von Anfang an echt besser. Schlimm, was Du durchmachen musstest….

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