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Hier das Archiv von Tagesschau.de – Depubliziertes

18. September 2010

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Hier noch der dazu gehörige Beitrag von Heise.de:

NDR-Rundfunkrat nennt depub.org „Beispiel für kreative Anarchie im Internet“

Nicht nur für Journalisten war das Online-Archiv der ARD-Tagesschau jahrelang ein reicher Fundus an Informationen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und vielen anderen Lebensbereichen. Doch das hat sich geändert: Im Sommer musste der für die Tagesschau zuständige Norddeutsche Rundfunk (NDR) hunderttausende Beiträge aus seinen Online-Beständen löschen, weil dies im 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag so festgelegt worden war. Laut dem Vertrag, der die Internet-Auftritte der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf Drängen privater Medienanbieter sehr viel stärker als früher einschränkt, darf etwa der NDR die meisten Meldungen von tagesschau.de nur noch maximal 1 Jahr im Netz vorhalten, andere Inhalte können sogar nur noch sieben Tage lang abgerufen werden. Im Zuge des großen Reinemachens (auch „Depublizieren“ genannt) wurden ARD- und ZDF-Angaben zufolge inzwischen rund 80 Prozent der früher abrufbaren Inhalte aus dem Netz verbannt.

Doch jetzt ist ein Teil davon wieder im Netz aufgetaucht: Unter der Adresse depub.org stehen rund 200.000 tagesschau.de-Meldungen der vergangenen zehn Jahre zum Abruf bereit. Wer sich hinter dem depub.org-Projekt verbirgt, ist öffentlich bislang nicht bekannt, die Betreiber werden aber bereits von einer großen Welle der Sympathie getragen. Selbst beim Norddeutschen Rundfunk, der zunächst „mit allen juristischen Mitteln“ gegen depub.org wegen Verstößen gegen das Urheberrecht vorgehen wollte, ist offenbar die Stimmung gekippt. Am Freitag erklärte die Vorsitzende des NDR-Rundfunkrats, Dagmar Gräfin Kerssenbrock, depub.org sei „ein Beispiel für die kreative Anarchie im Internet, das zeigt, wie unsinnig kleinteilige Regulierungsversuche im Netz sind“. Solange ein großes Interesse an den Inhalten informativer Webseiten wie tagesschau.de. bestehe, heißt es in einer entsprechenden NDR-Mitteilung von heute, solange werde es auch Menschen geben, „die einen Weg finden, diese Inhalte auch verfügbar zu machen“.

In einem Interview mit der Online-Ausgabe der Zeit weisen die auf Anonymität bedachten Macher von depub.org hin, dass ihnen natürlich bewusst sei, „dass die Artikel urheberrechtlich geschützt sind und die Veröffentlichung nicht erlaubt ist“. Letztlich müsse bei einer Veröffentlichung wie dieser aber zwischen öffentlichem Interesse und urheberrechtlichen Bedenken abgewogen werden. Entschieden haben sie sich für das öffentliche Interesse. Ihr Anteil an der Veröffentlichung sei aber eher gering, heißt es in dem Interview weiter: „Die Daten aufzubereiten hat uns vielleicht einige Nächte gekostet. Das Risiko ist aber der Redaktionsmitarbeiter eingegangen, der mit dem Exportieren der Daten eventuell sogar seinen Job gefährdet hat.“ Für den NDR bedeutet dieser Satz den Sprung aufs Drahtseil: Einerseits kann er es nicht zulassen, dass Urheberrechte und Verträge verletzt werden, andererseits sind dem Anschein nach eigene Mitarbeiter involviert, die der NDR nun „mit allen juristischen Mitteln“ verfolgen müsste.

Hilfe kommt möglicherweise von unerwarteter Seite: Auf der im Rahmen der IFA durchgeführten Medienwoche Berlin-Brandenburg hatte etwa der Regulierungsexperte von RTL, Tobias Schmidt, eingeräumt, dass der von der Politik aufgestellte Rahmen zur Überprüfung der Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Internet ein „verhältnismäßig sinnloses Verfahren“ gewesen sei. Die depub.org-Macher kündigten unterdessen an, Textarchive auch für andere öffentlich-rechtliche Internet-Angebote wie br-online.de, hr-online.de, mdr.de, ndr.de, rbb-online, radiobremen.de, swr.de, wdr.de und heute.de vorbereiten zu wollen. Vorbereiten bedeute, „dass wir damit beginnen, die noch nicht depublizierten Artikel von den Seiten herunterzuladen und aufzubereiten. Läuft alles wie geplant, wird dies in Zukunft automatisiert ablaufen und uns täglich nur wenige Minuten für Korrekturen kosten“. Dass es Ärger mit den Autoren der Artikel gibt, glauben die „Kreativ-Anarchisten“ nicht, „solange es frei und nicht kommerziell ist“. (pmz)

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