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17. August 2010

Für Leser, die sich auch für Schreiberlinge interessieren mit einem Hinweis auf einen anderen Lebenslauf von mir.

Ich existiere jetzt seit 62 Jahren, gelebt habe ich zwischen dem 18. und 55. Lebensjahr. Unter gelebt verstehe ich gelernt, Erfahrungen gesammelt, Lust empfunden und immer wieder mal auf die Schnauze gefallen.

Da sitze ich heute hier und denke über mein Leben nach, aber auch darüber, dass es irgendwann ganz einfach zu Ende geht. Wann genau weiß sowieso keiner von uns.

Eines meiner Mottos lautet: Es war nicht immer lustig, aber es hat sich gelohnt.

Ich habe auf der Straße gelebt und war beim Fürsten von Liechtenstein eingeladen.

Als ich meinen beruflichen Weg in den 70ern gefunden hatte, lernte ich auf richtig altmodische Art das Wort Disziplin im wahrsten Sinne des Wortes kennen. Ganze zweimal bin ich in den 20 Jahren in der Film- und Fernsehbranche zu spät zur Arbeit gekommen. Das eine mal hab ich tatsächlich verpennt, dass andere mal kam die ganze Crew zu spät, weil ein fürchterlicher Schneesturm in München tobte. Jeder Arbeitstag war anders, auch wenn sich viele glichen.

Allein wenn ich an meine ersten Schritte in der Produktion erinnere, es war der Film „Der Hauptdarsteller“ mit Mario Adorf und Vadim Glowna, dann könnte ich heute noch Scheiße schreien. Ich war Anfänger als Tonassistent und mein Tonmeister war die faulste Sau auf Gottes weitem Erdboden. Auch waren die Muskeln, die man bei diesem Job braucht, bei mir noch nicht entwickelt, ich konnte den Job also körperlich gar nicht durchhalten. Nach 14 Tagen kam der Rausschmiss.

Aber schon 14 Tage später bekam ich eine neue Chance, die sich fast als Sechser im Lotto erweisen sollte. Ich kam in eine Krimi-Serie – „Der Alte“ mit Siegfried Lowitz.

Diese viereinhalb Jahre in der Serie waren für mich reine Lehrjahre mit Stundenzahlen, die leicht für 8 Jahre gereicht hätten, die aber bis auf wenige Ausnahmen niemals zu Klagen geführt haben. Auch als Teamplayer konnte ich mich gut entwickeln.

In dieser Zeit konnte ich mit vielen unterschiedlichen Regisseuren und Schauspielern arbeiten, mit den meisten kam ich gut aus, auch mit Stars wie Hilde Knef oder Helmut Berger, an die ich mehr als gute Erinnerungen habe, denn sie waren echte Profis, was ich persönlich besonders mag.

Natürlich gab es auch einige Stinkstiefel in der Crew sowie unter den Akteuren, aber so ist nun mal das Leben. Auch dabei kann ein Mensch lernen, Leben und Leben lassen und auch Ignorieren lernt man dabei. Trotz allem wurde aber jeder von allen respektiert.

Viel wichtiger noch als nur mitzuarbeiten war aber für mich das Handwerk und die Technik. Ich habe alles in „Learning by Doing“ inhaliert, hab Fehler gemacht und sie auch wieder ausgebügelt. Aber genauso wichtig waren auch die sg.’Freiheiten‘, die man sich in dieser Branche erarbeiten konnte und natürlich auch ein gewisses ‚Ansehen‘.

Jetzt werden sich bestimmt einige Leser fragen, warum ich nicht zu einer Karriere wie Wolfgang Petersen oder Michael Ballhaus durchgestartet bin, aber da gibt es eine ganz einfache Erklärung. Ich kenne meine Grenzen. Ich war nie auf Starruhm aus. Sowas versaut in den meisten Fällen auch den Charakter.

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