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Ein Absturz und die Bitte um Hilfe

15. August 2010

Was ich heute hier veröffentliche, ist eigentlich ein Hilferuf, aber nicht für mich.

Da ich in jungen Jahren selbst mal etwas Musik gemacht habe, ist es mir ein Bedürfnis, hier zu helfen. Persönlich habe ich nur die Möglichkeit, mit meinem Blog einen Aufruf zu schreiben, Geld habe ich bei meiner Rente selbst nicht, aber auch Kleinvieh, wie mein Blog können zur Hilfe beitragen.

Wenn jemand helfen will, kann er/sie sich jederzeit mit mir in Verbindung setzen, ich melde mich dann, am besten per Mail.

Was mir sonst noch einfällt zu dieser Geschichte ist, sie kann jedem von uns passieren.

Hier die Geschichte:

Spider-Murphy-Gang-Gründer: Sein Leben im Obdachlosenheim

03.07.10

Freising – Gründungsmitglied der Spider Murphy Gang Franz Trojan ist am Tiefpunkt seines Lebens angekommen. Der Ex-Schlagzeuger lebt im Obdachlosenheim. Die tz besuchte ihn.

             Franz Trojan
..Foto: Armin Geier

© A. Geier

Franz Trojan, der Ex-Schlagzeuger der Spider Murphy Gang, steht vor seinem Zimmer im Obdachlosenheim: „Ich muss wieder Boden unter die Füße bekommen“

Es riecht modrig. Schimmelflecken glänzen an den Wänden des langen Ganges, an den Holztüren blättert die Farbe ab. Nervös fährt sich Franz Trojan übers Gesicht. „Hier wohne ich nun,“ sagt der 53-Jährige. Dann deutet er auf eine weiße Tür mit seinem Namen. „Hier.“

clip_image002© A. Geier

Warten auf eine Perspektive: Franz Trojan und seine Freunde Gerd und Günther vor dem Heim.

Hier – das ist die Obdachlosenunterkunft in Moosburg. Und Franz Trojan – das ist der ehemalige Schlagzeuger der Spider Murphy Gang. Einst war er ein Held, ein steinreicher Musiker. Jetzt ist er abgebrannt, pleite. „Mein Leben ist ein Albtraum. Ich habe nichts mehr“, stellt er mit zitternder Stimme fest. Dann öffnet er langsam die Tür zu seinem 12-Quadratmeter-Zimmer. Nur eine Matratze liegt auf dem Boden, Getränkeflaschen stehen herum, ein Aschenbecher. Im Eck neben dem Fenster lehnt eine Gitarre. Das war’s. Franz Trojan dreht sich plötzlich weg. Er weint…

Die Geschichte des großen Schlagzeugers – es ist eine Geschichte über Erfolg und Ruhm, über den Absturz. Und über Angst. Die Angst, nicht mehr die Kurve zu bekommen. „Ich habe viel im Leben falsch gemacht“, sagt der 53-Jährige. „Ich habe mir beispielsweise nie Gedanken über die Kohle gemacht. Das war dumm.“ Geld – das hatte Trojan einst im Überfluss, mehrfacher Millionär war er. „Damals in den 80er Jahren haben wir irre viel verdient“, erzählt der Musiker. Bei diesen Worten leuchten seine traurigen Augen kurz auf. Klar – Alben wie Dolce Vita oder Tutti Frutti hatte jeder im Plattenschrank. Skandal, Schickeria, Peep, Peep… damals rollte noch der Rubel, eine Platte kostete 20 Mark. „Ich hab jedes Jahr gut eine Million Euro verdient – und davon 500 000 an Steuern bezahlt.“ Der Musiker lächelt. Sein Freund Gerd schlägt ihm tröstend auf die Schulter. „Und jetzt krieg ich nichts zurück.“

Franz Trojan hat nicht einmal das Geld, um sich eine Schachtel Zigaretten zu kaufen. Auch wenn er Stein und Bein schwört, dass er die Kippen damals im Schlecker-Markt nicht mitgehen lassen wollte. „Das war nur ein Reflex, ein Einstecken.“ Wegen des Diebstahls stand er am Donnerstag vor Gericht. Plötzlich wurde bekannt, wie schlecht es dem ehemaligen Pop-Star geht (tz berichtete). Hartz-IV-Antrag, Notunterkunft. „Ich wollte nicht klauen. Ehrlich.“

clip_image003© A. Geier

Eins der Hotelzimmer in Moosburg: Nur 12-Quadratmeter Leben. Ohne Bad, ohne Dusche!

Man glaubt Trojan diese Worte. Hier – an dem Holztisch vor den schäbigen Baracken der Notunterkunft – sitzt niemand, der Böses im Schilde führt. Hier sitzt jemand, bei dem einfach sehr viel schief ging. „Als ich 1992 bei den Spiders ausgestiegen bin, wollte ich halt eine andere Musik machen.“ Jazz-Rock sollte es sein. Nur: Der verkaufte sich schlecht. „Ich bin da einfach einem Traum gefolgt.“ Trojan richtete sich zudem ein Studio ein, kaufte Immobilien. Doch sein Geld schmolz langsam und unaufhörlich zusammen. „Erst musste ich die Eigentumswohnungen in München verkaufen, dann hier was, dann da – und plötzlich hatte ich nichts mehr. Konnte nicht mal mehr die Miete zahlen.“ Vor kurzem musste er dann ins Obdachlosen-Heim. „Alles aus!“

Aus!? Nein, Trojan hat sich nicht aufgegeben. Noch nicht. Er ist ein Kämpfer. „Ich will hier raus“, sagt er immer wieder. „Ich muss irgendwie wieder Boden unter die Füße bekommen.“ Eine Anstellung als Schlagzeug-Lehrer, das würde ihm gefallen. „Das ist halt das, was ich kann.“ Einmal haben ihm seine alten Bandkollegen übrigens Geld angeboten, um etwas auszuhelfen. „Aber das wollte ich dann auch nicht. Irgendwie will ich es selber hinbekommen. Als erstes bräuchte ich halt mal eine Wohnung, damit ich aus diesem Dreck hier rauskomme.“ Franz Trojan blickt sich langsam um. „Du schaffst das“, flüstert ihm sein Freund Günther aus Neufahrn zu. Bei ihm kann Franz hin und wieder zu Mittagessen. „Sonst bekäme ich ja gar nichts Gutes in den Bauch.“

Für sein 12-Quadratmeter-Zimmer im Obdachlosenheim muss Franz im Monat 50 Euro zahlen. „Da ich nicht einmal diese Summe habe, habe ich eben jetzt Hartz-IV beantragen müssen.“ Der Antrag läuft noch. „Jetzt bete ich jeden Tag: Irgendwie kommst du hier raus, Franz.“

Armin Geier

Quelle: TZ München

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12 Kommentare leave one →
  1. 15. August 2010 08:53

    Franz ist wieder raus aus dem Obdachlosenheim. Hier: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/rettet-spider-murphy-star-877879.html — kann es nachgelesen werden.

    Weiter helfen kann man immer noch, – ihm und allen den anderen. In einem der Kommentare sagt die Frau, die ihn herausgeholt hat, dass auch die anderen Obdachlosen jede Hilfe brauchen können. Allerdings warnt sie, dass die Obdachlosen nicht einfach sind – auch der Franz von den Spider-Murphys nicht.

    Entsetzt war ich über die Kommentare. Dieser ungebrochene Drang der deutschen Gerechten, alles zu verurteilen, was nicht so ist, wie es nach Meinung anderer sein sollte. Wer im Obdachlosenheim, oder auch auf der Strasse, landet, der hat einen Weg hinter sich mit Selbstanklagen, Zweifeln, vergebenen Hoffnungen, verpassten Chancen, bis hinein in die Scham. Und da ist dieser Mensch also gelandet, und trinkt sich zu, um eben die Kommentare der Selbstgerechten verkraften zu können, um die Scham nicht zu krass zu spüren, um sich überhaupt noch leben zu trauen.

    Er war erst am Anfang einer solchen „Karriere“, und kann es noch packen. Wollen wir alle hoffen, dass es ihm gelingt.

    • 15. August 2010 23:27

      Danke für die Info. Sollte sich doch noch jemand melden, der helfen will, so werde ich dass berücksichtigen.

    • Bein1964 permalink
      21. August 2010 03:19

      Hallo Inge!

      Ich bin diejenige welche Franz Trojan aus dem Obdachlosenheim geholt hat.
      Danke für Deinen Kommentar! Es ist seit 22.07.2010 – der Tag an dem ich das erste Mal in Moosburg war – jede Menge passiert. Viel positives. Franz geht nächste Woche für ein bis zwei Monate in ein Plattenstudio nach NRW – ich bin sicher – DA kommt nur gutes bei raus. Er saß die letzten 14 Tage – je nach Wetterlage – auf meinem Balkon oder im Wohnzimmer und hat wie ein Weltmeister komponiert und getextet. Es wird schon!!!

  2. 21. August 2010 03:57

    @ Bein1964 Das klingt ja alles wirklich positiv und ich drück ganz einfach mal die Daumen.

  3. 29. August 2010 13:03

    Zitat
    @Ich bin diejenige welche Franz Trojan aus dem Obdachlosenheim geholt hat.@
    Dein Ich hat mich und anderweitige Gleichgesinnte wirklich angefressen,
    Zum anderen ging ein Teil von Texten ohnehin im Zuge meiner PR-Arbeit an die Presse und wollte dass mein Name nicht erwähnt wird!!!
    Was du geschaffen hast zeigt mit mit Bravour in der Presse bekanntzugeben dass du Franz sein :“Bier einteilst“,sehr geistreich,…. dadurch wurde meine Spendenaktion mit Sigi eingestellt und das Feedback bei den Kommentaren in der Presse war dememsprechend auch negativ zum grössten Teil und können sich soviele Menschen Irren?An Hand vieler Emails über dich ging fast immer der Satz hervor dass Du mit Franz ein Abhängigkeitsverhältniss schaffen möchtest,denn alles was seiner beruflichenKarriere beitragen würde sagtest du wörtlich zu mir:“das geht mich nichts an“.Machen wir uns keine Illusionen: Dieser Sturm im Wasserglas ist bald vergessen wenn nicht gehandelt wird,damit meine ich dass bei Franz Trojan der beste Weg ist eine Entziehungskur zu vollziehen und nicht sein Bier einzuteilen!!!
    (Haben hunderte Stras vor Ihm auch geschaffen)
    Über mich wurde sarkastisch, sogar darüber hinausgehend hämisch und teilweise incl. jeden Anstands gegen meiner Person als EX MANAGER gehetzt und wurde grundlos der Lächerlichkeit preisgegeben und beleidigt , nur weil es aus der Anonymität des Internets und einem mglw. empfundenen Überlegenheitsgefühl dies möglich ist, in der Tat ohnegleichen.“Das war der Dank dafür dass ich mich für Franz den Arsch aufgerissen habe.
    Fakt ist ,dass ohne mein Zutan Franz heute nicht im Tonstudio bei Amusika sitzen würde,ebenso habe ich alle TV-Termine und Presseberichte in den Wege geleitet
    dies alles unentgeltlich,damit meine ich dass du auch nicht Franz kennen gelernt hättest ohne Medienberichte bzw.hatte er ja auch verschiedene Wohnangebote incl.
    Arbeitsangeboten bekommen.Man hätte mich zumindestens begrüssen können deinerseits als ich in Maisach anwesend war um die Pensionskosten zu bezahlen
    da war ich gut genug!!!Wünsche Franz alles gute in der Zukunft und für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung unter Email:
    grais@live.de
    bzw.Neuigkeiten über Franz Trojan unter meinen Blog
    http://franztrojan.blogspot.com/

    • 31. August 2010 23:57

      Wer beim helfen Dank erwartet, sollte besser das Helfen sein lassen.

      • Bein1964 permalink
        3. September 2010 22:47

        Hallo Alterknacker,

        Du sprichst mir aus dem Herzen……bin ich froh dass ich mit der Organisation von Plattenstudio und Pension in Maisach garnichts zu tun hatte. Bei mir war Franz Trojan lediglich knapp 3 Wochen zu Gast. Auch ohne Vermittlung von Rudi Grais wäre ich am 22.7. nach Moosburg gefahren, mit der Gemeindeverwaltung hatte ich bereits telefoniert. Und egal welche Probleme es mit wem gibt: Ich würde ihn nochmals aus dem Obdachlosenheim holen! Die Lebensumstände dort sind menschenunwürdig.

  4. 3. September 2010 22:54

    @ Bein1964

    Danke, dass du es genauso siehst. Ich hab in meiner Zeit in München Franz wohl nie kennengelernt, aber dass spielt für mich dabei keine Rolle. Ich hätte auch jedem anderen Musiker versucht zu helfen, denn ich weiss aus erster Hand, was es heisst, so in der Scheisse zu stecken….und mir wurde gerade in München auch schon des öfteren geholfen. Leider ist es mir heute nicht mehr möglich, in dieser Stadt zu leben. Aber mein Herz wird immer dort sein.

  5. Bein1964 permalink
    4. September 2010 05:05

    Hallo Alterknacker,

    ich war im letzten November selber für 5 Wochen obdachlos, wusste aber dass ich eine Wohnung bekomme. Davon war ich 3 Tage im Obdachlosenwohnheim – von der Wohnsituation her unter ähnlichen Umständen wie Franz in Moosburg. NIE WIEDER!
    Ich frage mich langsam wirklich wo die Menschen mit Herz in dieser Welt geblieben sind……! Die meisten wollen doch nur auf irgendeine Art Profit rausschlagen.

    • 4. September 2010 20:51

      @Bein1964

      Hallo, sorry, dass ich nicht gleich geantwortet habe. Für manche Antworten brauch ich einfach mal etwas länger.
      Ich hab dieses Spiel in meinem Leben selbst schon mitgemacht.

      Als ich vor 8 einhalb Jahren meinen Ansturz hatte, knallte ich von 9000 €uronen monatlich in die Sozialhilfe und ab 2005 in Hartz IV. Ich hab allein schon mal 3 Jahre gebraucht, um damit zurecht zu kommen. Jetzt bin ich in Grundsicherung Rente, mit dem gleichen Regelsatz, nur kann ich inzwischen damit umgehen. Nur abfinden werde ich mich damit nie.
      Also schreibe und motze ich heute rum.

  6. 13. September 2010 16:04

    Beneficial!!! Bookmarked this page that has this extremely good facts. Will come back to see if there are any updates. You, the author, are a master. Thanks

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  1. 2010 in review « AlterKnacker`s Blog

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