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Das hohe Ross der Philosophie

13. August 2010

Eigentlich war ich bisher immer der Meinung, Philosophie vermittele ganz konkrete Werte. Jetzt wurde ich eines Besseren belehrt. Mein Weltbild hat sich mit dieser Erkenntnis gewandelt. Rede ich mir wenigstens ein. Aber was ich mir einrede, kann ich auch wieder revidieren. Wenn ich zu einer besseren Erkenntnis komme. Ich selbst bin kein Philosoph, ich bin nur ein Mensch, der gelebt hat.

Klar, ich lebe wohl immer noch, aber es ist wohl eher ein Existieren denn leben. Nur verstehe ich unter Leben das Wahrnehmen von Realitäten und nicht das Hindrängen zu Utopien. Damit kann ich mich beschäftigen, wenn ich die entsprechende Literatur lese.

In der Philosophie (griechisch φιλοσοφία philosophía, wörtlich „Liebe zur Weisheit“) wird versucht, die Welt und die menschliche Existenz zu deuten und zu verstehen.

Und Sterndeuter versuchen den Stand der Sterne zu deuten und damit das menschliche Schicksal zu beeinflussen. Was Weisheit bedeutet, wage ich erst gar nicht zu beschreiben, denn ich vermute einmal, dass diese genau so oft vorkommt, wie es Sterne am Himmel gibt.

Kerngebiete der Philosophie sind die Logik (als die Wissenschaft des folgerichtigen Denkens), die Ethik (als die Wissenschaft des rechten Handelns) und die Metaphysik (als die Wissenschaft der ersten Gründe des Seins und der Wirklichkeit).

Mich persönlich muss wohl die Metaphysik getroffen haben, als ich mich, geblendet von Worten und Ausdrucksweisen, mit einem Philosophen ‘einließ’, denn als ich bemerkte, dass die Logik sich bei ihm schon verabschiedet hatte und die Ethik sich als ein Hirngespinst herauskristallisierte, war es fast zu spät, aber nur fast.

Philosophen gibt es wohl wie Sand am Meer, so scheint es mir jedenfalls, denn die meisten stellen Regeln auf, die für sie selbst natürlich nicht gelten können, da sie ja darüber schweben. Je kleiner das Subjekt ist, dass Fragen stellt, umso höher dünkt sich der Philosoph. Der Philosoph braucht den Zuspruch von Außen, den Zuhörer und Applaus Spender. Darum kann er, solange er ‘erhört’ wird, auch Scheiße zum Philosophiethema machen. Nur ist dies dann mit humanistischen Werten eigentlich nicht mehr zu vereinbaren.

Für mich soll Philosophie Werte vermitteln, die ‘richtigen’ Wege aufzeigen und nicht nur auf die ‘falschen’ hinzuweisen. 95% der Menschheit hat gelernt, was gut und böse ist. Diese ‘Regeln’ haben sich im Laufe der Zeit gebildet und wurden verfeinert, aber auch pervertiert. Nur nannte sich nicht jeder sofort Philosoph, der diese Regeln für richtig erkannt hatte.

So hegte etwa der griechische Philosoph Platon bereits vor mehr als zwei Jahrtausenden Zweifel an dem Bild, das der Mensch von sich selbst und von der Welt entwickelte. In seinem berühmten Höhlengleichnis[1] reflektierte er unter anderem die begrenzte Wahrnehmungs- und Erkenntnisfähigkeit des gewöhnlichen Menschen.

Allein schon der Begriff “gewöhnlicher Mensch” sagt für mich sehr viel aus. Worin unterscheidet sich der ‘gewöhnliche’ vom ‘ungewöhnlichen’ Menschen? Braucht der Mensch wirklich solche Unterscheidungen, um existieren zu können? Unterscheidungen sind niemals zufällig, sondern immer wertend und ich vertrete die Ansicht, Wertungen sind negativ. Wer wertet, versucht sich über andere zu erheben. Auch das ist negativ.

Auch ich bin nicht frei von diesen negativen Einflüssen. Aber ich nenne mich auch nicht Philosoph. Ich bin Mensch. Ich mache Fehler, sogar mehrfach. Aber ich bemühe mich auch, andere zu verstehen, nicht zu Hundert Prozent, aber doch so im Großen und Ganzen. Durch die vermeintliche ‘Bekanntschaft’ mit einem Philosophen erhoffte ich mir zusätzliche Lebensqualität und Erkenntnis. Nun bin ich wieder um eine Erfahrung reicher.

Das Ergebnis dieser Erfahrung lautet: Nenne deinen eigenen Kopf Platon und wenn du glaubst, du bekommst von ihm falsche Antworten, dann hör auf deinen Bauch und umgekehrt.

Philosophen sind Menschen, ob sie besser Denken, sei dahin gestellt. Oft können sie einfach nur besser formulieren.

Zitatenquelle

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